Blick auf die Fassade der verlassenen Spritfabrik in Halle

Auf dem Areal des Thüringer Bahnhofs in Halle verstecken sich einige Ruinen hinter dichtem Gestrüpp. Die heute maroden Backsteingebäude beherbergten einstmals die Produktionsstätten einer florierenden Firma. Nach ihrem Aus interessierten sich nur Urbexer und Sprayer für die verlassene Spritfabrik in Halle. Doch seit kurzem richten Städteplaner den Fokus auf das interessante Gelände.

Verkohlte Balken, blühende Flechten

Ich bin schon viele Male auf dem Areal des Thüringer Bahnhof in Halle gewesen. Und ebenso oft bin ich an einer alten Fabrik vorbeigegangen, ohne sie auch nur im entferntesten zu bemerken. Ehrlich gesagt wusste ich auch gar nicht, dass es diese Firma in meiner Heimatstadt überhaupt gab. Bis ein Freund mich fragte, ob ich mir mal die verlassene Spritfabrik in Halle anschauen möchte. Klar. Wollte ich natürlich.

Zwei Zugänge zum Areal mit den maroden Produktionsgebäuden hatte der leidenschaftliche Urbexer ausgekundschaftet. Ein Weg führte durch ein wahres Dickicht. Überall Gestrüpp, das den Blick von weitem auf den Lost Place verhinderte. Aus der Nähe betrachtet war ich angetan von den Backsteingebäuden. Tolle Industriearchitektur, mit der die verlassene Spritfabrik punktete. Auch wenn mitunter nur noch die Außenhüllen erhalten waren. Feuer hatte in der Vergangenheit der Bausubstanz zugesetzt. Verkohlte Balken zeugten davon. Und fehlende Dächer. Nach dem Feuer holte sich die Natur ihr Terrain zurück. In der dachlosen letzten Etage war der Boden mit blühenden Flechten übersät. Das sah irgendwie schön aus zu dem roten Backstein ringsum.

Blick durch Mauerloch der verlassenen Spritfabrik in Halle auf ein Gebäude

Schatten an der Wand

Das Kellergeschoss der verlassenen Spritfabrik in Halle war stockdunkel. Die Taschenlampen schlugen Schneisen in die Finsternis. Zu sehen gab es allerdings ziemlich wenig. Also kein Grund, sich hier die Zeit zu vertun. Nach einem kleinen Schattenspiel ging es zur Treppe und in die oberen Stockwerke.

Blick in das Kellergeschoss der verlassenen Spritfabrik in Halle

Wind pfiff durch Fensterhöhlen

Die Geschichte der seit Jahren verlassenen Spritfabrik in Halle war mir nicht geläufig. Wann wurde die Firma gegründet? Und von wem? Mein Freund, der Urbexer, wusste es auch nicht. Im Internet war ebenfalls nichts Erhellendes zu finden. Möglicherweise waren wir grad in den Ruinen der ehemaligen Pressehefe- und Spirituosenfabrik Haring, Ehrenberg & Co. Die Adresse Alter Thüringern Bahnhof jedenfalls würde stimmen. Sicher müsste man mal im Stadtarchiv Halle recherchieren.

Jedenfalls gab auch das, was von der Firma noch übrig war, keinen Aufschluss über die einstige Produktion. Alles war entfernt worden. Keine Maschinen mehr. Kein Mobiliar. Keine Akten. Nicht mal eine Glühbirne baumelte von der Decke. Nur nackte Ziegelwände. Und Fensterhöhlen, durch die der Wind pfiff.

Fenster sind aus dem Raum entfernt

Überall kunterbunte Graffiti

Wie in vielen Lost Places so hatten auch in der verlassenen Spritfabik in Halle Graffiti-Sprayer die Wände als Leinwand für ihre eigenwilligen Kreationen umfunktioniert. Schön sah es nicht aus. Aber kunterbunt war es auf alle Fälle, was in den verschiedenen Etagen zu sehen war.

An den Wänden der verlassenen Spritfabrik Halle sind Graffiti zu sehen

Schritt für Schritt auf Eisen

Am interessantesten fand ich die Treppenhäuser. Den Aufgängen mit den eisernen Stufen fehlten die Geländer. Überall lagen Ziegel. Ob sie jemand hingelegt hatte oder ob sie von irgendwo runtergefallen waren, erschloss sich nicht. Wie auch immer: Vorsicht war ohnehin auf Schritt und Tritt geboten.

Eisentreppe ohne Geländer in der verlassenen Spritfabrik in Halle

Rahmen für die Landschaft

Fenster konnte ich keine mehr ausmachen. Nur noch die Mauerlichte, die die Landschaft ringsum einrahmte. Dafür waren die Blicke in die Landschaft schön. Die übrigens wird sich in absehbarer Zeit ändern. Auch mit der verlassenen Spritfabrik in Halle wird sich einiges tun. Wohnungen sollen auf dem Areal des Thüringer Bahnhofs entstehen. Und Grünflächen. So wird der Lost Place mit den Jahren wieder ein lebendiger Ort.

Durch einen Fensterdurchbruch geht der Blick von der verlassenen Spritfabrik in Halle zu einem Schornstein