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Lost Place: Henriettes Erbe

Henriettes Erbe - ein Lost Place im Mansfelder Land

Seit langem verlassen ist das ehemalige Gutsschloss im östlichen Vorharzland. Zuletzt wurde es als Alten- und Pflegeheim genutzt. Verwaise Rollstühle und abgeblätterte Bettgestelle erzählen heute traurige Geschichten. Bei Urbexern ist der verlassene Ort in Sachsen-Anhalt unter dem Begriff Henriettes Erbe bekannt. Und gilt in der Szene als einer der schönsten Lost Places in der Republik.

Marode Schönheit

Was für ein imposantes Haus! Selbst in seinem Zerfall strahlt das zweigeschossige Gebäude in klassizistischer Bauweise eine gewisse Erhabenheit und Schönheit aus. Ein Gutsschloss soll es gewesen sein, hatte ich recherchiert. Erbaut im Mansfelder Land zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit einem umliegenden, an der Frontseite des Haupthauses leicht abschüssigen Garten. In dem einst seltene Bäume und Sträucher das Auge erfreuten und Wasserspiele.

Von all dem ist heute nichts mehr übrig geblieben. Ringsum Dickicht, durch das man sich dem Gebäude nähert. Einige Trampelpfade sind zu erkennen. So ganz verlassen, wie es den Anschein macht, ist das Schloss dann doch nicht. Denn hier geben sich seit Jahren die Jäger verlassener Orte buchstäblich die Klinke in die Hand.

Rollstuhl auf der Terrasse

Ich folge dem schmalen Pfad, der zur Vorderseite des Haupthauses führt. Und stehe vor einer doppelseitigen Treppe. Von der unteren der beiden Terrassen grüßt traurig ein lädierter Rollstuhl. Im Gebäude entdecke ich später noch zwei. Und mir wird klar, warum dieser Lost Place in der Szene auch als „House of Wheelchairs“ bezeichnet wird.

Im Gebäude begegnen mir vom Keller bis zum Boden Verfall, Schmutz und Gerümpel. Und immer wieder Hinweise darauf, dass hier zuletzt alte und kranke Menschen ihren Lebensabend verbrachten. Denn zu DDR-Zeiten wurde das enteignete Schloss bis zur Wende als Alten- und Pflegeheim genutzt.

Silberschatz verschwunden

In die DDR-Zeit fällt auch eine Episode, die wahrscheinlich namensgebend war für Henriettes Erbe. Die wohlhabenden Krosigks, Besitzer des Gutsschlosses, mauerten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ihr Tafelsilber und andere wertvolle Gegenstände der Familie in einem Kellerraum ein. Mit der Absicht, den Schatz bei Gelegenheit wieder ans Tageslicht zu befördern. Dazu kam es nicht. Denn die Krosigks wurden enteignet und das herrschaftliche Haus zum Alten- und Pflegeheim umgewidmet. Später, während Reparaturarbeiten an einer Wasserleitung im Keller, soll die Mauer des geheimen Raumes eingestürzt sein. Der Silberschatz war entdeckt und wurde Richtung Landesmuseum Halle abtransportiert. Wo er nie ankam.

Schuhe vorm Kamin

Zurück zur Tour durchs Gebäude. Bettgestelle stehen kreuz und quer in einigen Zimmern. Eine blaue Behandlungspritsche und beschmierte Rollschränke sorgen bei mir für ein mulmiges Gefühl. Ebenso die mit (Kunst-)Blut verschandelte Wanne. Und das Waschbecken. Offensichtlich, dass hier Urbexer über das Ziel hinausgeschossen sind und etwas „nachgeholfen“ haben für gruslige Fotos und Filmsequenzen. Auch die vielen ausgeschütteten Federn in mehreren Räumen finde ich nicht so prickelnd. Ich mag es lieber, wenn Orte nach dem Verlassen so gut wie unberührt bleiben. Anrührend für mich dagegen ist der Rollstuhl am Kamin, vor dem ein Paar Damenschuhe aufgestellt wurden. Da geht gleich das Kopfkino an.

Der Dachboden ist eine einzige, sich über die gesamte Gebäudelänge ziehende große Rumpelkammer. Möbel aller Art, Waschmaschinen und zahlreiche rote Federbetten sind hier übereinander getürmt. Die Luft ist abgestanden und staubig. Übersichtlicher sieht es dafür im Keller aus. Hier stehen Herde und Spültische.

Zum Abschluss der Tour durch Henriettes Erbe geht mein Blick noch einmal durch das Terrassenfenster auf den Rollstuhl und den verwilderten Garten. Und ich bedauere, dass dieses einst herrschaftliche Haus dem Verfall preisgegeben ist.

Vielleicht interessiert dich auch mein Besuch im Schloss Vitzenburg, ein toller Lost Place in Sachsen-Anhalt. Einige verlassene Orte, darunter ein Hotel und ein altes Kondensatorenwerk, habe ich in Görlitz entdeckt. Zwar sind die riesigen Werkhallen fast leer, trotzdem gibt es im RAW Halle viel zu fotografieren. Wie eine Festung gesichert ist die alte Polizeidirektion in Halle.

Ein verlassener Ort der besonderen Art, von Vandalismus verschont und mit orientalischem Flair, ist das mehr als ein Jahrhundert alte Stadtbad in Leipzig. Hier ein Bild vom Sauna-Bereich. Führungen werden angeboten.

Decke mit Sternen im prächtigen Stadtbad Leipzig

6 Kommentare

  1. Paul

    Wo ist denn dieser Ort genau in Sachsen-Anhalt ich suche schon seit längerem solche Orte weil ich sie einfach toll finde und sie gerne besichtige

    • Elke Richter

      Hallo Paul, vielen Dank für das Interesse an meinem Beitrag. In der Urbexer-Szene ist es nicht üblich, Adressen von Lost Places bekannt zu geben. Ich möchte mich daran halten. Bei Google ist Henriettes Erbe aber leicht zu lokalisieren. Als kleiner geografischer Tipp: im Süd-Harz, unweit von Gerbstedt.

  2. Tina

    Schloß ist komplett zu und jetzt ein Privatgrundstück ☝!

    • richter

      Ich habe auch gehört, dass man jetzt nicht mehr in das Gutsschloss kommt.

    • Sylke

      Moin
      Meinst du das gutsschloss in heiligenthal oder henriettes erbe? Es gibt dort 2 LP. Das gutsschloss ist privat.

      • Elke Richter

        Soweit ich mitbekommen habe, ist Henriettes Erbe dicht.

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