Graffiti-Tierporträts auf einer Fassade in Halle

Sie sind bunt, originell und sie schmücken große Fassaden genauso wie kleine Mauern. Und sie verleihen Wohnvierteln ein neues Aussehen. Während einer Graffiti-Tour durch Halle lernst du die schönsten Arbeiten der Streetart-Künstler kennen.

Farbe gegen Tristesse

Das Stadtviertel Freiimfelde liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Halles Hauptbahnhof. Jahrelang galt es als perspektivlos. Viele Menschen zogen weg. Was blieb, waren marode Bausubstanz und massenhafter Leerstand. Kaum ein Spaziergänger verirrte sich in dieses düster wirkende Quartier. Wo Graffiti nur ein Ärgernis darstellten. Und als Schmierereien verpönt waren.

Doch eine Gruppe ambitionierter Leute sah im Leerstand ein großes Potenzial. Mit Farbe und Kreativität wollten sie gegen die Tristesse vorgehen. Und gemeinsam mit den Bewohnern diesen Stadtteil aufpeppen. Vor rund einem Jahrzehnt fiel der Startschuss. In- und ausländische Streetart-Künstler trafen sich zum Festival „All you can Paint“. Und sie machten rund 25 Fassaden von kaum noch bewohnten Häusern zu Hinguckern. Die originellen XXL-Murals locken seither nicht nur zahllose Besucher ins bunte Viertel. In Folge wurden auch benachbarte Häuser von Vermietern saniert und etliche Wohnungen fanden neue Bewohner. Die Möbelwagen rollen also wieder Richtung Freiimfelde.

Das Kreativ-Team, dem das Viertel seinen farbenfrohen Anstrich verdankt, nennt sich Freiraumgalerie. Zahlreiche Wandmalereien dieser engagierten Gruppe aus Halle prägen mittlerweile das Stadtbild. Und weitere Ideen warten auf Umsetzung. Auch in anderen Städten.

Übrigens: Wenn heute von Freiraumgalerie die Rede ist, verbinden viele Hallenser diesen Namen mit den bunten Fassaden im Quartier Freiimfelde. Und genau hier startet diese Graffiti-Tour durch Halle.

Ort: Das Wohnviertel zwischen Delitzscher Straße, Freiimfelder Straße und Landsberger Straße erreicht man in etwa zehn Gehminuten vom Hauptbahnhof Halle, Richtung Ostteil der Stadt.

Graffiti bedeckt gesamte Hauswand
Zwei mit Graffiti gestaltete Häuser

Bunte Hingucker

Über 70 bunte Hingucker sind mit den Jahren im Quartier Freiimfelde entstanden. Manche Graffiti sind heute nicht mehr so taufrisch, wie zu der Zeit, als ich die Fotos aufgenommen habe. Mit den Jahren verblassten nicht nur die Farben, sondern einige Objekte wurden zwischenzeitlich übermalt. Oder Vermieter haben ihre Häuser mit neuem Farbanstrich versehen. Aber zu schauen und zu fotografieren gibt es hier trotzdem noch genug.

Tarzan hat sich eine Frau unter den Arm geklemmt

Haus mit Gesicht

Ein relativ neues Projekt der Freiraumgalerie kann in der Nachbarschaft der Landsberger Straße in Augenschein genommen werden. Eine Wohnhaus-Fassade in 3-D-Optik ist hier entstanden. Der Betrachter hat den Eindruck, als ragen die Fenster aus der blauen Giebelwand. Auf der anderen Straßenseite finden sich weitere Wandgestaltungen. Darunter auch das Eckhaus mit dem kunterbunten Gesicht. Das Parterre schmückt eine aufwendige Mosaik-Arbeit.

Ort: Freiimfelder Straße.

Giebelwand in 3D gestaltet

Halles größtes Wandbild

Ein ebenfalls großräumiges Projekt der Freiraumgalerie sowie internationaler Künstler ist in Büschdorf zu besichtigen. Der östliche Stadtteil ist die zweite Station der Graffiti-Tour durch Halle. Zu Fuß benötigt man vom Quartier Freiimfelde etwa 20 Minuten. Oder man fährt mit der Tram. Das Areal liegt etwas versetzt zur Straße. Man muss also in das Industrie-Objekt reingehen. Die Bilder wurden großflächig auf leer stehende Fabrikgebäude gesprüht. Insgesamt 1.500 Quadratmeter unsanierte Fassadenfläche standen den Streetart-Künstlern zur Verfügung. Entstanden ist unter anderem das größte Wandbild von Halle. Es ist 70 Meter lang und etwa acht Meter hoch. Sehenswert auch die übergroßen Bilder eines Teenagers mit Radio sowie des sowjetischen Raumfahrers Waleri Bykowski. Ich denke, dass er es sein soll. Jedenfalls sieht das Porträt dem Kosmonauten mächtig ähnlich. Die Exponate der Galerie unter freiem Himmel kann man sich jederzeit und gratis anschauen.

Ort: Industrie- und Gewerbeareal in und um Delitzscher Straße 73. Zu erreichen mit der Tram-Linie 7 vom Hauptbahnhof kommend, Richtung Büschdorf. Ausstieg an der Haltestelle Fiete-Schulze-Straße. Die Straßenseite an der Ampel wechseln. Dann ein Stück – links bleibend – weiter laufen.

Jugendliche unter einem Graffito, das einen Jungen mit Sonnenbrille und Radio zeigt

Madonna im Duett

Der Delitzscher Straße Richtung Osten folgend, gelangt man zur Europachaussee. Hier haben Streetart-Künstler die tristen Betonwände der Unterführung gestaltet. Witzige Bildserien sind entstanden. Hoffentlich werden sie nicht so bald übertüncht. Ich jedenfalls hatte Spaß beim Rendezvous mit Hexe Gundel Gaukeley, dem Raben Nimmermehr und dem Blitze schleudernden Megavolt.

Hingucker sind zwei Madonnen auf rotem Grund. Jede hält ein Kind auf dem Arm. Die gemalten Schönen sind etwa vier Meter groß. Wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt, reicht man den Damen nicht mal bis zum Dekolleté. Jedenfalls ich nicht. Mit diesen Madonnen endet der erste Teil der Graffiti-Tour durch Halle.

Ort: Delitzscher Straße, Unterführung Europachaussee.

Graffito mit zwei Madonnas

Lust auf eine weitere Graffiti-Tour durch Halle? Dann schau hier.