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Abriss alter Bauten

Abriss alter Bauten - wie eine Pralinenschachtel sieht der entkernte Plattenbau aus

Plattenbauten können interessant aussehen, auch wenn sie ihr Verfallsdatum längst überschritten haben. Und kurz vor dem Abriss stehen. Wie dieser Elfgeschosser aus Halle. Es kommt nur auf die Sichtweise an. Zusammen mit vier weiteren Hochhäusern wurde diese Platte platt gemacht, damit Neues entstehen konnte.

Achtung, Baustelle!

Schon mal bemerkt? Wenn an irgendeinem Ort schwere Technik anrollt oder im Einsatz ist, dann dauert es nicht lange. Dann scharen sich die Männer. Sie stehen da und gucken. Verfolgen jeden Handgriff der Bauarbeiter, jede Bewegung des Krans. Und was der Kollege mit dem Bagger da so für Kunststückchen vollführt. Meist schauen sie nur ganz still zu. Und sehr interessiert. Manchmal gibt es den einen oder anderen Dialog mit dem Nachbar-Gucker. Da weiß man, das ist einer aus der Branche, der hat Ahnung. Oft kommen die Männer alleine zur Baustelle. Manchmal haben sie auch den kleinen Sohn im Schlepp. Dann wird erklärt und Papa ist am Fachsimpeln.

Zugegeben, ich bin da auch gern Zuschauer, wenn sich die Kräne drehen. Vor allem aber auch, wenn es um den Abriss alter Häuser geht. Wenn Etage um Etage rückgebaut wird. Wie die Baggerfahrer punktgenau an den empfindlichsten Stellen des Hauses mit ihren Eisengreifern zulangen. Und Mauern umreißen oder Armierungen rauszerren. Ehrlich, diese Bauarbeiter sind wahre Meister, denke ich dann anerkennend. Und zücke den Fotoapparat.

Die folgenden Fotos habe ich an drei unterschiedlichen Standorten in der Innenstadt von Halle gemacht. Ein Woolworth-Geschäft in der Leipziger Straße beispielsweise musste weichen für ein neues Kaufhaus. Durch den Abriss eines anderen maroden Hauses in der Großen Brauhausstraße wurde Platz geschaffen für ein neues Wohnhaus mit integrierter Ladenzeile im Parterre. Beim Abriss traf ich auch dort auf fachsimpelnde Männer.

Abriss alter Bauten - zwei Männer beobachten die Bauarbeiten

Platte plattmachen

Nach der Wende wurde in meiner Heimatstadt viel saniert und neu gebaut. Doch bevor Platz für Neues da war, musste Altes weichen. So ging es folglich auch vielen Plattenbauten an die Betonwände. Etwa im Süden von Halle. Da wurden fünf Elfgeschosser in der Murmansker sowie der Elsa-Brändström-Straße zum Abriss vorbereitet. 2013 war das. Erst wurde entkernt und die Fenster entfernt. Dann trugen die Spezialisten Etage für Etage ab. Zum Schluss wurden die Schuttberge abtransportiert.

Interessant fand ich immer die Veränderungen. Wenn ich nach einer Woche erneut an der Baustelle vorbei schaute, bot sich mir stets ein neues Bild. Da war eine der Platten zwischenzeitlich platt gemacht worden und der Bagger schaffte sich schon an der nächsten. Bis nach Abschluss der Arbeiten mit der Zeit Gras über die Narben im Boden wuchs. Heute befindet sich an dieser Stelle eine moderne Wohnanlage. Zwar nicht mit über 300 Wohnungen, wie vor dem Abriss, dafür aber wurde mit dem Neubau den Wünschen Behinderter Rechnung getragen.

Abriss alter Bauten - Plattenbau über Eck

Zupackende Eisenzange

Es hat wirklich was Faszinierendes, wenn die Abrissbagger ihre langarmigen Greifer punktgenau an der Fassade ansetzen und wie Wölfe aus ihren Opfern Stücke rausreißen. Ein kleiner Ruckler und schon hängt die halbe Wand in der Eisenzange. Oder die Bewehrungen. Erstaunlich auch, wie behutsam es aussieht, wenn das Eisenmaul seine Beute auf bereitstehende Tieflader ausspuckt. Ich sage doch: Abriss ist spannend.

Abriss alter Bauten - Kran reißt Platte ab

Rundbau für Sternegucker

1978 wurde auf der Peißnitz in Halle das Raumflug-Planetarium eröffnet. Es war eine Institution. Unzählige Schulklassen haben hier in den Himmel geschaut. Und auch viele andere Sternegucker waren zu Gast in dem Rundbau, der in seiner Form einmalig war. Architekt und Bauingenieur Herbert Müller hatte für die Errichtung die von ihm entwickelten Bauelemente verwendet, die als HP-Schalen bekannt sind. Nach 40 Jahren wurde das denkmalgeschützte Gebäude auf Grund eines Missverständnisses abgerissen. Unzählige Hallenser pilgerten 2018 auf die Baustelle und verfolgten den Abriss des Planetariums, das den Namen „Sigmund Jähn“ trug.

Abriss alter Bauten - Dach der Sternwarte in Halle

Bullen ohne Eis

Ein Abriss in Halle hat mich besonders berührt. Und zwar war das der Moment, als die Eissporthalle weichen musste. 1968 eröffnet, habe ich auf der Kunsteisfläche mit den Jahren so manche Runden gedreht. Ich war zu Konzerten hier, hab´ in der Sportbar „Penalty“ Geburtstag gefeiert und natürlich einige Saisons lang den Saale Bulls (vorher Saaleteufel) bei ihren Heimspielen zugejubelt. Und manchmal auch gelitten.

Dann kam 2013 das schlimme Hochwasser. Das beschädigte auch die Sporthalle stark. Viele Fans aus Hannover, Berlin, Leipzig und anderen Städten kamen nach Halle, und natürlich auch die heimischen Fans waren da, um die Eishalle wieder spielbar zu machen. Es hat alles nichts genützt: 2016 begann der Abriss der Spielstätte. An mehreren Tagen habe ich das Geschehen auf der Baustelle verfolgt. Und ehrlich: Mir hat das Herz geblutet.

Inzwischen haben die Saale Bulls mit dem provisorischen Bau des Eisdoms eine neue Spielstätte gefunden.

Abriss alter Bauten - Eingangsbereich der Eissporthalle

4 Kommentare

  1. Frank Schmidtke

    Herzbluten betreffs Eissporthalle hatte ich ebenfalls.
    Leider habe ich auch nur Kopfschütteln übrig für den Beschluss des Stadtrates, das neue
    Panetarium nicht mehr nach Siegmund Jähn zu benennen.

    • Elke Richter

      Das verstehen so viele Hallenser nicht mit dem Planetarium. Jahn war schließlich der erste Deutsche im All. Aber eben leider ein DDR-Bürger. Bei der Eissporthalle war ich auch traurig. Nach dem Hochwasser haben so viele Fans mitgeholfen, den Schlamm aus der Halle zu holen und alles aufzuräumen. Sogar die Hannover Indians-Fans waren da und die Erzrivalen aus Leipzig. Und viele mehr. Im Penalty habe ich mal meinen Geburtstag gefeiert. Schöne Erinnerungen…

  2. Joachim

    Danke für den informativen Beitrag über Abrissarbeiten. Das alte Haus meiner Tante soll bald abgerissen werden, das werden wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Gut zu wissen, dass auch andere Menschen, vor allem Männer sich scharen, wenn vor Ort schwere Technik anrollt oder im Einsatz ist und ein Haus abgerissen wird.

    • Elke Richter

      Hallo Joachim, vielen Dank für Ihre Nachricht. Es hat wirklich was Faszinierendes, wenn Gebäude abgerissen werden. Aber auch der Neubau ist mitunter ziemlich spannend. Bloß geht es da halt nicht so schnell. Bei einem Abriss passiert in kürzerer Zeit eben wesentlich mehr. Ich finde es wichtig, möglichst viel für die Nachwelt – und sei es nur der Familienkreis – zu dokumentieren. Irgendwer wird sich irgendwann gern mal diese Fotos anschauen. Viele Grüße schickt Elke Richter

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